Spielsucht
Hallöchen liebe Leser,
ich bin der j0sh und werde heute mal eine Geschichte aus meinem Alltag zum Besten geben. Ich bin (wie man sich ja denken kann) auch in einem Telekommunikationsfachgeschäft als Verkäufer angestellt und dachte mir was der olle Ladenblogger kann, kann ich schon lange ^^. Naja, eigentlich hab ich ihm die Story nur erzählt und er wollte das gleich in einen Gastbeitrag umwandeln. (Dahinter steckt natürlich wieder nur seine unglaubliche Gier nach Besucherzahlen und Kommentaren. *tss*)
Achso, was ich eigentlich erzählen wollte: Vor einiger Zeit kam ein älterer Herr (ich nenn ihn jetzt mal Herr Müller) zu mir und bat mich um meine Hilfe, er bräuchte doch mal ein neues Handy da seins schon so alt ist. Nach ein wenig Beratung kamen wir auf ein Nokia xxxx (ich weiß beim besten Willen nicht mehr, was das für ein Model war). Der ältere Herr hätte es gern zum Vollpreis erstanden, da er nur eine PrePaid Karte besaß. Der Preis des Models belief sich auf ~200€ und Herr Müller bat mich, das Gerät für ihn zu reservieren. Soviel Bargeld habe er nicht dabei und er müsse dieses erst von zu Hause holen. Beim Hinausgehen fragte er noch, ob er denn auch mit ein wenig Kleingeld bezahlen kann. Ich hab mir natürlich nichts böses dabei gedacht und fröhlich bejaht. Später am Tag kam Herr Müller tatsächlich wieder (das ist ja im Verkaufswesen nicht immer der Fall ^^) und wollte das reservierte Handy abholen. Er hatte einen kleinen Beutel in der Hand, den er klimpernd auf dem Tresen ablegte. Ich hatte dem Beutel keine weitere Beachtung geschenkt, Kunden legen ja gerne mal ihre Sachen auf dem Tresen ab. Auch die letzte Frage nach dem Kleingeld, hatte ich schon aus meinem Kopf verdrängt. “So Herr Müller, das macht dann 209,95€.” und Herr Müller fing an, den kleinen Beutel aufzuknöpfen (der war zugeknotet). Erst jetzt warf ich einen Blick auf den Beutel und musste mit Entsetzen feststellen, dass der Inhalt nur aus 2€ Stücken bestand. Herr Müller hatte ernsthaft 220€ in 2€ Stücken dabei und wollte damit das Handy bezahlen. Natürlich hätte ich ihn damit einfach nach Hause bzw. zur nächsten Bank schicken können, aber nun ist er ja extra nochmal nach Hause gelaufen und so “gemein” wollte ich ja auch nicht sein… man ist einfach zu nett für diese Welt ^^. Außerdem hat mich natürlich interessiert wie er zu dieser Menge an 2€ Stücken gekommen ist und er meinte, zu Hause hat er nur 1€ und 2€ Stücke sowie noch jede Menge 5DM Stücke. Hintergrund der Sache ist Herrn Müllers Spielsucht. Vor ca. 10/11 Jahren hat sich Herr Müller damit fast vollständig in den Ruin getrieben, bis Frau Müller auf die rettende Idee kam und einfach einen Spielautomaten (diese Dinger aus den verrauchten Kneipen, mit Dudelmusik und so) für zu Hause zu kaufen. Das war damals noch ein Automat der DM angenommen hat und nach der Währungsreform kam noch ein neuer für den Euro dazu. Er erzählte mir noch, dass sich seine Spielsucht über die Jahre verbessert hat, früher ging er noch jeden Abend in die Kneipe zum spielen, heute setzt er sich jedoch nur noch 1-2 mal die Woche vor die Maschiene. “Wenn man »unendliche« finanzielle Mittel zur Verfügung hat, macht es nicht mehr soviel Spaß.” hat mir Herr Müller noch zum Abschied gesagt.
Da beim abendlichen Kassensturz kein Hartgeld abgeschöpft werden darf, musste ich natürlich noch vor Ladenschluss zur Bank und das Geld in Scheinchen tauschen *hrmpf*.
Quantensprung:
- Die bösen Kollegen - 2010
- f*ck*ng iPhone! - 2010
- Geduld is heut aus - 2010
- Beratungsschmarotzer - 2010
- Veränderung. Nicht. - 2010
Montag, 27. Juli 2009 um 10:52
Das ist doch mal ein schöner Weg, die (Automaten-)Spielsucht zu bekämpfen.
Ich meine aber mal gehört zu haben, dass die für Privatmenschen erhältlichen Geräte eine deutlich andere Ausspielquote haben, also quasi 110% der Einnahmen beim Gewinn ausschütten.
Das ist dann ja ein völlig anderes Spielgefühl.
Montag, 27. Juli 2009 um 12:45
Ich glaub, ich kaufe meinem Mann einen Zigarettenautomaten, vielleicht hört er dann auch auf zu rauchen… Klasse Story, die gefällt mir!
Montag, 27. Juli 2009 um 18:27
Das mit dem Automaten für zu Hause ist eine gute Idee. Vielleicht funktioniert sowas wirklich?
Ach, noch eine Frage:
[quote]Da beim abendlichen Kassensturz kein Hartgeld abgeschöpft werden darf…[/quote]
bedeutet was genau?
Montag, 27. Juli 2009 um 23:15
@Stephan535 Wir dürfen nur einen bestimmten Betrag am Abend in der Kasse haben. Alles was drüber hinausgeht wird im Tresor nochmal extra gesichert. Das dürfen dann aber nur Scheine sein. Wenn ich jetzt also 350€ in der Kasse hab + die 200€ vom Kunden macht das 550€. Das Limit könnte dann beispielsweise bei 300€ liegen und alles was drüber ist, muss in den Tresor. Im Tresor dürfen dann aber nur Scheine liegen. Ich könnte jetzt natürlich alle Scheine rausnehmen und die 200€ in 2€ Stücken in der Kasse lassen, aber dafür ist 1. Kein Platz in der Kasse und 2. kann man dem Kunden ja auch nicht zumuten größere Beträge in Hartgeld auszuzahlen (Ich sag nur Kunden die 15€ Aufladung wollen und mit einem 100€ Schein bezahlen… ).
Dienstag, 12. Januar 2010 um 19:41
Clever gelöst!
Aber schon ne miese Sache mit der Spielsucht.. das kann echt in die Hose gehen.. oder auch in den Geldbeutel…